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Die Geschichte der Kirchgemeinde Wyssachen

Melodie & Text: Alina Heiniger, Pfr. Joel Baumann, KI
Musik & Gesang: Martin Jufer

Ursprünge des Dorfes und der Kirchgemeinde

Bis 1846 gehörte Wyssachen zur Einwohnergemeinde Eriswil. Die Eriswiler nannten die Wyssacher spöttisch «Gräbeler» - hiess Wyssachen doch bis 1908 offiziell «Wyssachengraben».

Nach der Gemeindegründung 1847 kam bald einmal der Wunsch auf, auch eine von Eriswil unabhängige Kirchgemeinde zu gründen, damit die Wyssacher nicht mehr länger den weiten Weg in die Kirche Eriswil unter die Füsse nehmen mussten. Das Projekt des Kirchgemeinderates Eriswil, in Wyssachen eine eigene Kirchgemeinde zu gründen scheiterte aber am Widerstand der bernischen Regierung.

Ein Predigtsaal mit Lehrerwohnungen?

50 Jahre später kam der Wunsch nach einer eigenen Kirchgemeinde erneut auf. Überliefert sind Pläne von 1904, in Wyssachen einen schlichten Predigtsaal zu errichten, rechts und links flankiert von dringend benötigten Lehrerwohnungen. Es wurde Bauland gekauft – aber kein Predigtsaal gebaut.

Da das Schulhaus aus allen Nähten platzte wurde anstelle des Predigtsaals ein neues Schulhaus gebaut. Es steht – mittlerweile erweitert und modernisiert - noch heute. Im alten Schulhaus wurden zwei Klassenzimmer miteinander verbunden, in welchen fortan Nachmittagspredigten und Abdankungsgottesdienste stattfinden konnten.

Schulhaus statt Predigtsaal

1939 veranlasste der Gemeinderat die Ausarbeitung von Plänen für einen Umbau des alten Schulhauses und den Einbau eines würdigen Predigtsaals. Die Gemeindeversammlung liess das Geschäft aber vertagen und als der 2. Weltkrieg ausbrach gab es dringendere Probleme als den künftigen Predigtsaal. Im September 1943 wurden in den beiden ehemaligen Klassenzimmern rund 100 geflüchtete italienische Internierte untergebracht. Nach dem Abzug der Soldaten drei Monate später konnte der arg zugerichtete Raum nicht mehr seinem alten Zweck dienen. Eine Expertise ergab: Das alte Schulhaus ist reif für den Abbruch.

«Wir wollen eine eigene Kirche!»

Die Idee, ein Gemeindehaus mit integriertem Predigtsaal zu bauen wurde verworfen. Es wurde klar: Die Bevölkerung will eine eigene Kirche – ein deutlich teureres Unterfangen. Geplant wurde eine kleine Kirche am heutigen Standort, aber ohne Orgel, ohne Glocken und ohne Turm. Ein kleines Türmchen auf dem Dach, ein sog. Dachreiter, sollte das schlichte Kirchlein schmücken.

Die Spenden fliessen und fliessen

Über die Dorfgrenzen hinweg wurden nach dem Krieg Spenden gesammelt. Es wurden Bazare organisiert, Stiftungen angeschrieben, und auf Anhieb kamen fast die halben Baukosten zusammen sowie 130m3 bestes Bauholz.

Im September 1946 wurde der Grundstein gelegt – und da die Spenden weiterhin sehr gut flossen konnte anstelle eines Dachreiters ein Betonturm gebaut werden mit Glocken und Kirchenuhr – die Regierung in Bern wurde erst im Nachhinein darüber in Kenntnis gesetzt. Auch eine Orgel konnte aufgrund grosszügiger Spenden angeschafft werden.

Die kunstvollen Chorfenster

Beim Pfarramt Eriswil ging in dieser Zeit ein Brief eines Herrn Bärtschi aus Griessbach ein. Unter der Bedingung, dass sein Familienwappen und das Wappen von Sumiswald Platz fänden, bot er an, 1000.- für ein kunstvolles Kirchenfenster zu spenden. Das Fenster kostete schlussendlich 2000.- und das Sumiswaldner-Wappen muss versehentlich vergessen worden sein – aber Herr Bärtschi bezahlte das Fenster, ein Einheimischer (Zaugg, Huebershus) spendete ein zweites und eine auswärtige Stiftung ein drittes Fenster.

Die Kirchgemeinden Affoltern, Dürrenroth und Huttwil spendeten die Tauf- und Abendmahlsgeräte – und so konnte die Kirche am 21. Dezember 1947 feierlich eingeweiht werden.

Die volle Unabhängigkeit von Eriswil

Bis 1966 gehörte die Kirche Wyssachen nach wie vor zur Kirchgemeinde Eriswil – erst vor 60 Jahren wurde Wyssachen auch kirchlich eigenständig.